Montag, 1. Oktober 2007

Semesterstart

Vor nunmehr einer Woche, am 24. September, hat nun tatsächlich die Uni angefangen. Der Ort hat trotz des etwas anderen Rahmens nichts von seinem Charme verloren muss ich vorneweg sagen!
Aber mir wurde inzwischen sehr häufig von Xiamen-Versierten angekündigt, dass es auf Dauer etwas langweilig hier wird... nunja, wir werden sehen!

Nun, das Studium...

In Xiamen gibt es erstaunlich viele Ausländer muss ich sagen- die unterschiedlichen Sprachkurse sind ihrem Niveau nach relativ fein gegliedert! Nun, der mir nach einer Einstufungsprüfung zugeteilte Haupt-Kurs scheint angemessen- das entsprechende Lehrbuch hält viel (bisher) viel Neues bereit, ohne allzu anstrengend zu lesen zu sein. Der Lehrer (王老师) dieses Haupt-Kurses ist im Übrigen die einzige Lehrkraft, die sich weigert, mich mit 黄瓜, also Gurke, anzusprechen- für ihn bin ich Fu-luo-li-an. Zersetzer! Die Lehrenden in den Fächern Hörverständnis, Lesen und Gesprochenes Chinesisch schmunzeln zwar nach wie vor dabei, aber rufen mich beim Namen. Ab und an denke ich hin und her: würde ich als Lehrkraft einer deutschen Uni einen chinesischen Kommilitonen namens Bischof Cocktailtomate auch so rufen? Vermutlich schon... vielleicht ist aber auch einfach das Beispiel ungünstig gewählt. Handelt es sich doch hier um ein Klerikales Kleinobst, statt meines Weltlichen Gemüses- oder ist auch die Gurke technisch gesehen eine Nuss? Wer kann das schon sagen...

Wie auch immer- die folgende, sogenannte "Goldene Woche" ist komplett frei- der chinesische Nationalfeiertag steht ins Haus- ich bin sehr gespannt, wie es hier aussieht, wenn ich bald ins Freie trete- Xiamen ist nicht nur unter Ausländern ein beliebtes Ausflugsziel...
Nun, unitechnisch muss ich erwähnen, dass die chinesischen Studenten für die "Goldene Woche" im Voraus büßen müssen: am Wochenende davor ist Uni. So hatte ich nicht nur erstmals in meinem Leben Sonnabends-Schule- schlimmer: ich konnte nicht zum allsonntäglichen Gottesdienst, weil ich schon früh um 8 im Klasenzimmer sitzen musste! Krishna vergib mir!

So, ein paar Fotos muss ich noch einstreuen: Jüngst hat sich ein Deutscher namens Kai, für einen Monat nach Deutschland verabschiedet und hat eine nette Abendveranstaltung geschmissen. Nun, damit ihr eine Vorstellung von chinesischen Preisen bekommt: Hier kann es sich ein deutscher Student leisten, 21 Leute in ein piekfeines Restaurant (wie auf den Bildern zu sehen) einzuladen und exzellent bewirten zu lassen- ich schätze, für umgerechnet 60, allerhöchstens 70 Euro. Das Gedeck, rechts zu sehen, bestand aus purem Gold, gebeleichtem Kirschbaumholz und Meißner Porzellan. Der Spieß ganz rechts (neben den beiden etwas dickeren Hölzern, die Essstäbchen sind) dient übrigens einzig und allein dem Zweck, Schnecken aus ihrem Gehäuse zu bekommen! Und wer Nerven hat, kann ihn im Anschluss auch als Zahnstocher benutzen...
Wie links zu sehen, handelte es sich bei den Geladenen größtenteils um Südkoreaner. Der leere Stuhl ist meiner- rechts und links daneben wird der geübte Beobachter und fleissige Blogleser alte Bekannte wieder entdecken (links meinen Mitbewohner, rechts die Indoneser vom Anfang). Der wild gestikulierend Stehende im blauen Hemd ist der Gastgeber.
Rechts sehen wir den geladenen Tisch und unten das Abendprogramm :)

Neben dem Preis der wesentlichste Unterschied zwischen westlichen und chinesischen Restaurants aber ist die Bedienung. Das Problem bei uns ist ja, dass es sich nach den vorherrschenden Verhaltensnormen nicht schickt, dort Aufmerksamkeit zu erregen, wo sich mehrere Menschen versammeln - was sich mit der Aufgabe beißt, den Kellner zu attrahieren! Sprich: man ist von dessen Laune abhängig! Daraus leitet sich Problem 2 ab: die vorherrschende Impertinenz der heimischen Ober.
Hier in China hingegen (auch wenn ich da noch etwas Hemmungen habe): LAUT 服务员 (Fuwuyuan) gebrüllt, dann steht quasi in der nächsten Sekunde jemand bei dir, ließt dir die Essenreste aus dem Bart und die Wünsche von den Augen ab.
Seht euch vor, deutsche Gastronomen und Kneipiers, wenn ich zurück komme, erwartet keine Gnade! Da wird solang "Fuwuyuan" gebrüllt, bis eine kommt!
Die Trinksitten hier sind auch besser als bei uns. Wenn irgendjemand 干杯 (Gan bei) brüllt, müssen alle ringsherum ihr Glas nehmen und in einem Zug austrinken. Rechts seht ihr Cai (Mitbewohner) und mich nach ca 15 Runden.
Naja, im Anschluss daran ging es an den Strand- ein bisschen trinken- und nach dem allabendlichen Kampf (siehe Video unten) ging es dann ins Bett.
So auch jetzt für euch, denn die Geschichte ist aus!

video

6 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Lieber Florian,
ich als älterer Politikwissenschaftler muss Dich ernsthaft vermahnen. Willst Du es wirklich herausfordern, dass es in nicht allzu ferner Zeit zu schweren diplomatischen Verwicklungen zwischen Deutschland und China kommt? Das hatten wir anfang des letzten Jahrhunderts schon mal - und es ist uns nicht gut bekommen...
König Gurke!!! Was wäre gewesen, wenn sich jemand zu DDR-Zeiten König Banane genannt hätte? Könige kannten wir damals nicht und Bananen sowieso nicht. Also: Etwas mehr Respekt bitte. und viele Grüße von Christian

Anonym hat gesagt…

Ach nee, das muss ich Dir noch erzählen: ich buk mir gerade Quarkkeulchen: 1 Teil geriebene Kartoffeln, ein Teil Mehl, ein Teil Quark, gaaanz viel Zucker (fast so viele Drittel wie die anderen beiden). Eier, Butter nach gusto. !!Nicht zu wenig!! Man muss die Rosinen vorher nicht in Rum einweichen. Alles Legende! Dann gut durchkneten. Schmeckt übrigens schon roh einfach super. Besser aber noch: Ab in die Pfanne, bei mittlerer Hitze goldbraun braten.

you know hat gesagt…

Sind mir viel zu viel Auslaender auf den Bildern!

Kai hat gesagt…

Was sind die alle FETT! Der Schwerpunkt der Erde muss irgendwo bei China liegen....

Anonym hat gesagt…

An Kai...
Rassismus, der sich am Gewicht unserer globalen Mitbürger orientiert. Jetzt ist unsere deutsche Leitkultur - und zwar wortwörtlich - im Keller!! Nee, nee, ach was seid ihr lieb. Von meinen Steuern werden schließlich die Sozialarbeiter bezahlt, die Euch mit anthroposophischen Ideen füttern.
Christian

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