Frohen Nikolaus nachträglich! In meine Badelatschen passt leider nicht so viel rein, daher hab ich auch das Putzen und alles gleich gelassen...
Und wenn ich einmal dabei bin, spare ich auch gleich noch Weihnachten und den ganzen Mistkram :(((
Falls jetzt jemand Mitleid hat:
Geschenke müsst ihr an eine neue Adresse schicken:
Florian Sitte
Room 608 (in dieser Zeile steckt auch der einzige Unterschied)
Nanguang 5 Building
Xiamen University
361005 Xiamen
Fujian Province
Peoples Republic of China
Meine neue Festnetznummer ist:
0086/5922194446
Meine neue Handynummer schließlich (denn wie heißt es so schön: Wenngleich schon, so doch!)
0086/13313704889
Aja, und weil mir blogger.com mit seinen Fotofehlern auf den Sack ging, gibts die Bilder jetzt woanders (und ich hoffe Herr Com kann das jetzt lesen!): http://www.flickr.com/photos/sitte/
Diese Seite ist also ab jetzt nur noch zum Lesen da.
Für die zwei Hanseln, die trotzdem weiterlesen:
Was ist also in den letzten Wochen so passiert... HM
Der Geburtstag
Jo, also das war für indonesische Verhätnisse recht gnädig. Ich wurde zu Strand gebracht und dort mit knapp Hundert Wasserballons und ein paar mit Meerwasser gefüllten Flaschen ne Viertelstunde über den Strand gehetzt. Im Anschluss zwang man mich, ein Zigarillo zu rauchen, in dessen Tabak man (ohne das ich es wusste natürlich) die kleingeriebenen Köpfe von Streichhölzern gemengt hatte. Der Plan war, dass das ganze explodiert während ich das rauche. Effekt war, dass mir schwummrig im Kopf geworden ist. Vermutlich sind nicht alle Chemikalien in chinesischen Streichholzköpfen zum verbrennen und inhalieren gedacht. Aber egal- ich lebe.
Am folgenden Tag ließ man mich 6 eklige Gelantine-Globs mit irgendwelchem unidentifizierbaren weißen Zeugs drinnen essen, von denen mir man danach verriet, dass es sich um Gehirn-Gelantine mit beinahe fingergroßen und -dicken rohen Meerwürmern handelte.
Nuja, danach habe ich schlechter Pool gespielt als üblich, aber auch hier keine langfristigen Defizite.
Etwas härtere Geburtstage findet man auf oben genannter Foto-Seite dokumentiert.
Eine Woche nach dem eigentlichen Jubiläumstage fand dann die Fete am Strand statt. Was sich da so zutrug, müsste ich eigentlich selbst nochmal nachfragen, aber ich habe leider auch vergessen, wer alles da war...
Nur soviel: Für eine 0,5 l-Flasche recht wohlschmeckenden Brandy´s bezahlt man hier 12 RMB, das entspricht 1,20 € :))
Und das ist noch nichtmal das billigste, was man hier an Schnaps kriegen kann: Für bereits 30€ kann man nen halben Liter 40-prozentigen Klaren bekommen, aber den habe ich nur einmal gekauft.
Geh doch zu Hause
Ja, danach ist etwas an sich sehr unspektakuläres passiert, das mir aber etwas zu denken gegeben hat.
Bis auf meinen besten Freund unter ihnen, sind die Amis von meiner Etage zurück nach Hause.
Das brachte zum einen einige nette Geschenke mit sich: Ich bin jetzt zum Beispiel im Besitz zweier originaler Baseball-Handschuhe samt zwei passender Bälle. Damit schmeißt man hin und her, dank der Tatsache, dass die Bälle steinhart sind, auch über sehr beeindruckende Distanzen. Eines Tages hat sich mir ein über 50-60 Meter geschleudert Ball nach einem unglücklich flach abspringenden Boden-Aufpraller genau dorthinein geflatscht wo es richtig weh tut. Aber das gehört vielleicht auch gar nicht hierher.
Nunja, zum anderen jedenfalls machte mich die Heimkehr der Amis Denken: Ich bin schon satte 4 Monate hier und die Zeit verging bis auf einige Frustphasen in der Anfangszeit wie im Fluge. Wenn ich jetzt schon nach Hause müsste - es wäre schlimm! Und auch die Zeit die noch vor mir liegt, wird fix vergehen. Der kommende Monat wir dank Weihnachts- und Sylvesterfeten und Semesterabschlussprüfungen fix vergehen. Anschließend werde ich 2 Monate mit Alenka durch Südostasien touren. Damit verpasse ich auch schon einen Monat des ohnehin schon sehr kurzen Sommersemesters und habe noch 3einhalb Monate Uni bevor schon wieder Schluss ist!
Sehr krass!
Sportfest
Ansonsten gibt es nur noch ein berichtenswertes Erlebnis. Das 42. Sportfest der Xiamen University.
Es trug sich folgendermaßen zu: Ich hörte von einem Sportfest und dachte, warum nicht ein bisschen bewegen? Drum ließ ich also einigen indonesischen Freunden freie Hand dabei, mich für verschiedene Sportarten anzumelden.
Sie wählten: 100-Meter-Staffel, 60-Meter-Sackhüpfen , 400-Meter-Lauf und eine 20-Mann-Staffel über jeweils 60 Meter.
Nuja, ich latschte also am entsprechenden Morgen mit zwei der anderen 100-Meter Läufer für die erste Staffel (zwei gute Freunde) Richtung Stadion, der vierte Läufer stand noch nicht fest, und sprachen darüber wie unsportlich wir so sind. Ich zum Beispiel war noch nie ein guter Sprinter und bin auch seit der letzten Leistungskontrolle im Gymnasium nicht mehr auf Geschwindigkeit gerannt. Das ist so 4-5 Jahre her.
Nunja, als das Stadion in Sichtweite geriet, stellte sich heraus, dass das gar nicht die Spassveranstaltung war, die ich erwartet hatte... Das halbe Stadion war vollgestopft mit Chinesen. Schlimm daran war, dass etwa 80 Prozent der anwesenden Massen nicht zum kompetieren selbst gekommen waren, sondern um dem Treiben als anfeuerndes Viditorium beizuwohnen. Die Sportler selbst waren offenbar der Schaum auf der Brandung der chinesischen Bewegungstreibenden. Die drittklassige Metapher meint nicht, dass sie besonders schmutzig waren.
Teilweise liefen die 4-Mann-Staffeln sogar uniform und auch einige Soldaten zeigten, was sie Krieg und Langer Marsch gelehrt hatten.
Wie sich außerdem herausstellte, war unser "Team" ebenfalls nicht nur eines unter 12 teilnehmenden, sondern die heißerwarteten Repräsentanten der Ausländerabteilung der Universität!!!!
Ich kann mir gut vorstellen, dass ich von so manchem auch noch als Favorit gehandelt wurde, da ich grob geschätzt nen halben Meter größer war, als meine Opponenten, aber unmitelbar nach meinem Start waren alle Unklarheiten in der Hinsicht beseitigt.
Kurz bevor ich als Erster Läufer startete, ging mir auch noch auf, dass die Chinesen ja nicht mit "Achtung--- Fertig---LOS!" starten. Aber es setzte einen Pistolenschuss, also alles gut.
Ich will euch nicht länger mit Details langweilen, doch eines ist noch erwähnenswert:
Am nächsten Morgen wurde ich angerufen, ich müsse doch bitte sofort kommen, da man auch noch einen Läufer für die 400-Meter-Staffel bräuchte. Es waren noch viel mehr Leute im Stadium als am Vortage. Lustig ist: 2 meiner Staffelkollegen (erster und letzter Läufer) brachen jeweils 20 Meter vor dem Ziel zusammen und mussten von mir mehr oder weniger zum nächsten Läufer bzw der Ziellinie getragen werden. Mein Vormann kam zwar auch gehend bei mir an, aber zumindest ohne Hilfe. Ich absolvierte eine gemütliche Runde, da wir ohnehin schon ewig zurück lagen und als ich in die Zielgerade einbog, die von Hunderten Chinesen gesäumt war, schwenkte ich den Staffelstab über meinem Kopf und alle jubelten dem Loser zu. Soviel Applaus hatte ich noch nie und werde ich wohl auch nie wieder bekommen. Fürs Abkacken. DAS kann ich mal meinen Enkeln erzählen, falls der oben erwähnte Baseball nicht unbemerkt größeren Schaden angerichtet hat.
Epilog
So, jetzt kann sich niemand mehr beschweren, dass ich nichts mehr schreibe.
Die den längeren Schreibpausen inhärente Information ist: ich fühle mich nicht mehr wie im Urlaub. Und versucht ihr mal einen Blog über Alltag zu führen.
Auch Fotos werden trotz vieler mit Sicherheit sehenswerter Motive immer seltener geschossen. Ich bin zu faul, die Kamera ständig mitzuschleppen, weil das zwar nur 200 Gramm zusätzlichen Gewichts bedeutet, aber extreme Aufmerksamkeit erzwingt (Diebe, Motivsuche). Zumeist bin ich hier jetzt in Badelatschen, Unterhemd und kurzen Hosen eher gemütlich unterwegs. So nimmt man die Gegend nochmal ganz anders wahr, als über den LCD des Fotoapparates.
So, jetzt ist aber Schluss hier.
Ich kann jetzt im übrigen wieder Kommentare beantworten.
Ach Mist, jetzt habe doch beinahe das Wichtigste vergessen! Ich wusste doch, dass noch was war:
Zimmer
Ihr wundertet euch vielleicht, dass ich vom Zimmer 603 ins Zimmer 608 gezogen bin.
Vielleicht auch nicht, aber höret trotzdem den Grund:
Nachdem mir mein Mitbewohner immer mehr auf den Kranz gegangen ist mit seinem ständigen Im-Zimmer-Gehocke-und-Fernsehen-Geschaue und Mit-seiner-Freudin-zusammen-im-Zimmer-Gehocke-und-Fernsehen-Geschaue oder Mit-seiner-Freudin-zusammen-im-Zimmer-Gehocke-und-Gestreite und einfach seiner bloßen meine Privatsphäre destruierenden Existenz habe ich um ein Einzelzimmer gekämpft und schließlich auch bekommen! Es handelt sich sogar um ein Doppelzimmer, das ich alleine bewohne- ist größer und billiger als ein Einzelzimmer.
Mein Leben in China geht nun also richtig los, ne eigene Bude ist echt unheimlich viel wert!
So, das wars jetzt aber wirklich!
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