Montag, 24. September 2007

Wendepunkt

Es ist soweit!
Ich bin nun nicht mehr irgendein x-beliebiger Europäer, dessen Namen hier sowieso niemand aussprechen kann ("fu-lo-li-an") - nein, ich habe nunmehr einen chinesischen Namen.
Nun muss ich dazu sagen, dass man seinen chinesischen Namen nicht einfach zugeteilt bekommt, sondern tatsächlich völlig frei wählen kann!
Es ist Usus, sich meist in Zusammenarbeit mit einem chinesischen Freund zu überlegen- nun, wie lasse ich mich am treffendsten attributieren? Welches Tier finde ich am coolsten? Was klingt schön? Was ist an mir besonders und macht mich so total einzigartig (abgesehen von den Flechten im Schritt)? - Und dabei kommen dann so Sachen wie "Schlafender Lotus", "Wachsamer Tiger-Drache", "Strahlende Erscheinung Reinheit", "Sommer-Schnee", "Ehrwürdiger Bergglanz" und ähnlich kitschiger Ramsch raus. Bei kürzeren Namen und solchen mit wenig Konsonantenakkumulation findet man auch chinesische Namen, die dem Original schlicht sehr ähnlich klingen.
Nun, lange Rede kurzer Sinn- ihr könnt euch schon denken, dass ich da nicht mitmache! Euch sei hiermit mein zweiter Name mitgeteilt, mein chinesisches alter ego gewissenermaßen:
王黄瓜。
Ausgesprochen: Wang Huang-gua.
Am poetischsten klingt er wohl in seiner Englischen Entsprechung: King Cucumber.
Die deutsche Übersetzung: König Gurke.
Ich hoffe sehr, dass ich mal deutscher Botschafter in China werde!

Und noch was fürs Auge:
Ich habe jüngst eine Radtour mit einem indonesischen Freund unternommen. Dabei bot sich der ein oder andere festhaltenswerte Anblick.
Im Bild zur Rechten zeigt sich China von seiner wohl charmantesten Seite: dieses riesige Schild ist so aufgestellt und proportioniert, dass man es vom ca 20 km entfernten Taiwan aus lesen kann. Es besagt in etwa: "Ein Land, 2 Systeme, ein China!" und bedeutet in etwa: Macht euch unabhängig, dann krachts!
Zur linken sieht man die Chinesen fleißig werkeln- da wird im Hinblick auf Olympia ein Stadion gebaut...
Wendet ihr den Blick wiederum nach rechts, so werdet ihr ein Stück Kunst am Strand erblicken- glaubt´s oder glaubt´s nicht- es ist kein Spiegel.
So und zu guter Letzt noch 2 Bilder, die ich schlicht aufgenommen habe, weil wir da grad zu Fuss unterwegs waren und ich den Fotoapparat so ohne weiteres zücken konnte:
Das Obere zeigt deutlich auf, dass auch Chinesen sowas wie Humor besitzen: Jene Skulptur ist in unmittelbarer Nähe des an Taiwan adressierten Schildes aufgestellt (tatsächlich ist der Landstreifen im Bildhintergrund auch jene abtrünnige Provinz). Das Untere zeigt wieder einmal die inzwischen wohl altbekannte Verbindungsbrücke zwischen Campus und Strand.

Gehabt euch wohl!

Samstag, 22. September 2007

Xiamen bebildert

Der Augenblick ist gekommen: Im folgenden ein kurzes Statement zu dem Ort, an dem ich studiere, samt Bildern.

Der Campus:

Die Xiada (Xiamen University) ist ein äußerst schöner Platz, muss ich sagen! Natürlich gibt es einen deutlichen Unterschied zwischen Unterbringungen (rechts zu sehen) und dem Repräsentativteil der Uni. Da ich das selbst ohnehin nicht so gut fotographieren kann, und so ein bisschen Platz für andere Bilder gewinne, schaue man bei Interesse einfach hier.
In unmittelbarer Campusnähe erstreckt sich ein netter Strand! Aber vorerst ein-zwei Worte zu meinem Zimmer. Linker Hand findet man meine Ecke, mit Bett, Schreibtisch, Hängeschränkchen und gemeinsam genutzten Nachtisch- das war selbstverständlich VOR meinem Einzug. Andere Bilder zu zeigen, bin ich schlicht zu taktvoll. Die Hertgesottenen unter euch setzen sich einfach und projezieren meinen Wohnhabitus auf jenes Bild.
video
Hier ein Video von jenem Abend, als Cai (mein Mitbewohner) "ein paar Freunde" zum Essen auf unser Zimmer eingeladen hat . Lustige Leutchen, muss ich sagen. Aber Achtung, bei Einladungen zum Essen Finger weg- originär südkoreanische Küche ist ein schrecklicher Fraß, nachdem, was ich sagen kann. Ich habe mir aus Höflichkeit und Hunger die ganze Zeit trockenen Reis in den Mund geschaufelt. Cai ist übrigens der Typ ganz rechts, mit dem weißen Hemd und der Brille. Man sehe bitte über mein dümmliches Lachen hinweg! Die Typen sind etwa 1 Minute vor Dreh des Videos hereingeplatz und haben angefangen, mich auf chinesisch zuzuquatschen und beständig das Victory-Zeichen zu machen- das war eine Extremsituation!
Und hier schließlich noch der Blick zu meinem Balkon hinaus, der zwar nicht direkt zum Meer fällt, aber doch schlechter sein könnte, wie ich finde!
Ja, das Meer- Wie erwähnt trennen mich von selbigem nur ca 5 Minuten Fussmarsch.


Der Strand:


Eine feine Sache, so ein Sandstrand, muss ich zugeben, hier ein paar Fotos.
Trotz grober Layout- Schnitzer ganz gut zu sehen, wie ich finde: Von links unten nach rechts oben die Verbindungsbrücke zwischen Uni und Meer, die hübsche Strandpromenade und schließlich ganz rechts, wie unschwer zu erkennen, das Objekt selbst. Es führen überall sehr hübsch beleuchtete Brücken entlang, mit ziemlich viel Architektur und so!
Und hier etwas, das ich noch nicht habe, aber früher oder später brauchen werde: a Radl!

Die Stadt:

Jo, und dann gibt es ja noch die peripheren Regionen außerhalb von Strand und Uni, man soll es nicht glauben.
Meine Kamera mit in die kleinen Gässchen zu nehmen, hatte ich bisher noch nicht Lust und Mut genug. Aber hier seien kurz 2 andere Plätze dokumentiert, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten: Wallmart und Nanputuo-Tempel.
Den Konsumtempel habe ich mir ehrlich gesagt anders vorgestellt. Ich dachte so bei mir, wenn du mal Lust auf Fertigpizza oder literweise Blubberlutsch oder ein Packen Spaghetti hast, ab zum Walmart. Nun, nicht dergleichen. Das funktioniert mit den Supermärkten genauso wie bei und mit China-Restaurants. Das einzig fremdländische ist der Name. Man findet dort beinahe nur Sachen, die es in jedem andere Markt dort auch zu kaufen gibt. Beispielsweise Krabben, Hühnerkrallen oder Schweineherzen.
Und wer auf Frösche, allerlei Molluskes und Schildkröte steht, ist hier auch gut beraten! Brot, Port und viele andere leckere Dinge des alltäglichen Gebrauchs wird man allerdings vergeblich suchen :(


Aber sagte ich Schildkröte? Das ist nämlich ein gutes Stichwort, um zum nächsten und vorerst letzten Thema überzuleiten: dem Nanputuo-Tempel.
Dort ist nämlich alles voll mit Schildkröten: Unter die Tempelwächter haben sie sich geschlichen (wie rechts zu sehen- wer kann sie entdecken?), im zentralen großen See und zahlreichen Nebentümpeln wimmelt es von ihnen. Ahja, und sowas, wie links zu sehen, finden Chinesen scheinbar lustig: Plastetüten und anderen Müll in die hübschen Seen zu werfen und den Schildkröten Zettel mit obszönen Botschaften auf den Panzer zu kleben. Aber als Freund des krassen Humors muss ich gestehen: es hat durchaus was!

So, jetzt muss ich aber langsam mal an die frische Luft. Ich hoffe, ich konnte den gröbsten Wissensdurst befriedigen!

Viele Grüße aus Xiamen!

Montag, 17. September 2007

Kontakt

Hallo Freunde.

Also erstmal muss ich mich für meine scheinbare Faulheit entschuldigen- ihr wisst immer noch nicht, wie es in Xiamen aussieht. Tatsächlich gab es aber viel zu tun. Die letzten paar Tage war ich mir Ningbo anschauen- eher lahm mit Xiamen verglichen - gestern abend bin ich zurück gekommen. Heute fand die Registrierung an der Uni statt. Der Tatsache zum Trotze, dass alles in einer Etage ein und desselben Gebäudes stattfand, war das ein Papierkrieg sondersgleichen. Aber ich kann mitteilen: ich habe es geschafft! Wenn auch mit nicht ganz sauberen Mitteln:
Eine mehrere Stunden Wartezeit bedeutende Schlange habe ich überwunden, nicht etwa, indem ich mich irgendwo vorne reingedrängelt habe (drängeln mag ich nicht)- nein, ich bin direkt durch zu dem Schreibtisch gelaufen, zu dem alle wollten. Das ist im übrigen eines der ersten Male, dass mein Soziologiestudium praktischen Nutzen hat: Je mehr Leute man anpisst, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass einer den Mund aufmacht. Wie bei Politikern...
Einen Studenten, der dummerweise die selbe Matrikelnummer hatte, wie ich und sich schon gestern registriert hat, habe ich kurzerhand aus dem Verzeichnis schmeißen lassen. Einen Militärarzt, der nichts als chinesisch sprach habe ich so lange auf englisch zugelabert, bis er mir meine einen Monat zu alten Befunde bezüglich Aids, Syphilis und Tuberkulose schließlich doch abgestempelt hat...
Naja, wie auch immer- ich habe es geschafft!


Und im folgenden mal meine Kontaktdaten, damit ihr mir fleißig Pakete ( im Austausch gegen eine echte Postkarte aus China) schicken oder anrufen/ SMSen könnt:
Adresse:

Florian Sitte
Room 603, Nanguang Building 5
Xiamen University
361005 Xiamen
Fujian
Peoples Republic of China/ Zhonghua Renmin Gongheguo

Email:

floh.sitte@web.de

Telefon: (Achtung, auch für die, die die Nummer scheinbar schon haben- ich habe heute eine neue Nummer bekommen)

008613599524014
00865922194974

Letztere Nummer ist im übrigen die des Zimmertelefons. Nun teile ich ja mein Zimmer mit Cai, einem Südkoreaner. Also nicht entmutigen lassen, wenn da jemand rangeht und euch auf chinesisch zuquatscht. Einfach ausreden lassen, ein paar Mal laut und deutlich "Florian" sagen und abwarten. Wenn er dann nochmal auf chinesisch losquatscht, bin ich vermutlich nicht da. In dem Falle: Kurz warten, auflegen und später versuchen.

Okay, ich muss erstmal: eine Französin gibt heute ihren Einstand an der Xiada (= Xiamen University) - das heißt: französischer Wein und Käse! Das will ich auf keinen Fall missen...

Gehabt euch wohl, bis später.

Dienstag, 11. September 2007

Kommentare

Hey, hier mal wieder ein inhaltsleerer Blog, zumindest was den Chinaaufenthalt angeht...

Ich möchte nur nochmal daran erinnern, dass ich aufgrund der chinesischen Firewall zwar Einträge verfassen, aber nicht wirklich auf diesen Blog zugreifen kann.
Daher kann ich leider Gottes nicht antwortend auf eure Kommentare eingehen. Günstigerweise kommt mir aber jedesmal eine Email zu, wenn jemand einen neuen Kommentar zu einem Post erstellt, in der ich auch den Wortlaut desselben erfahre. Leider, und es bereitet mir tatsächlich Pein, ist es mir jedoch verwehrt, die Kommentare auch zu beantworten. Rein physisch zumindest. In Gedanken aber weile ich bei euch und freue mich über jede Anmerkung, auch wenn es so erscheinen mag, als würde ich sie nicht beachten. Daran wollte ich euch nur noch einmal erinnert wissen...

Florian

Montag, 10. September 2007

Bebilderter Rückblick

Nun habe ich also Internet auf meinem Zimmer. Daher auch die Post-Nachträge so zeitnah hintereinander...
Aber nicht nur das Internet hat sich in mein Campusleben geschlichen, sondern auch ein Mitbewohner. Allerdings so angenehm wie möglich, wenn man bedenkt, dass die Auswahl ohnehin auf ein Geschlecht eingeschränkt war. Es handelt sich um einen recht netten Koreaner, der kaum Englisch spricht, was meinem Chinesisch zu gute kommt. Und wichtig auch: er hat mir schon Fotos von seiner Freundin gezeigt.
Letzteres mag als Bewertungs-Kriterium für einen Mitbewohner vielleicht etwas seltsam anmuten, aber gewinnt es doch insofern an Bedeutung, als ich mindestens einen der anfangs fix gewonnenen indonesischen Freunde für schwul und ziemlich aufdringlich befinde. Aber egal!

Nun erstmal die versprochenen Fotos:

So sah es in dem Zug von Beijing nach Hangzhou aus. Unten kann man das chinesische Pärchen sehen, mit dem wir den Schlafraum teilten. Auf den Liegen oben haben wir es uns dann jeweils bequem gemacht. Interessant vielleicht über chinesische Beziehungen zu wissen: zum einen redeten die beiden beinahe die gesamte Fahrt über kein einziges Wort miteinander. Zum anderen fielen mir beim abendlichen Kartenspiel 2-3 Karten hinunter, davon eine genau auf den Busen der inzwischen schlafenden Dame. Als ich herunterstieg und ihrem Partner die Situation begreiflich machte, rührte der sich nicht vom Fleck sondern deutete einladend auf die Schlafende, die dann auch im delikatest möglichen Augenblick erwachte, ohne allerdings groß Aufhebens darum zu machen, dass ihr ein wildfremder Ausländer im Dekolleté herumfuhrwerkte...

In Hangzhou hat es wie gesagt die ersten zwei Tage lang geregnet. Am dritten allerdings war das Wetter gut genug, einen Ausflug zu wagen, und zwar auf eine sehr schöne Insel inmitten des Westsees (dessen chinesischen Namen ich aufgrund geharnischter Kritik aus den unteren Rängen der Kommentarschreiberei nicht wie gewohnt in diesen Klammern anführe). Diese Insel war wiederum größtenteils von Wasser bedeckt, in das Tempel gebaut wurden- alles in allem ein sehr idyllischer Anblick. Ich will vor allem auf die stark nach oben gebogenen Ecken der dortigen Dächer hinweisen :)
Im reichen westlichen Touristen vorbehaltenen Mittelteil der Insel bieten sich dann wie rechts zu sehen schöne Damen zu angemessenen Preisen feil.

Außer der Insel besuchten wir noch den Hangzhou´schen Botanischen Garten und gingen ein wenig einkaufen. Im Prinzip ließen sich zu dieser schönen Stadt noch sehr viel mehr Bilder zeigen, aber das lässt das Layout an dieser Stelle einfach nicht zu.
Zu dem linken Bild muss man vielleicht noch sagen, dass die Seerosen auf dem Bild so groß wie Ochsen sind. Naja- vielleicht nicht ganz. Aber wenn die größeren unteren euch mit beiden Armen ein "O" formen, so würden sie feststellen müssen, das die wenigsten der dortigen Blätter hineinpassen! Zu guter Letzt noch 2 Bilder vom Shopping. Zum einen können wir gut sehen, dass Chinesen nicht nur von oben nach unten, sondern bisweilen auch völlig verkehrt herum schreiben. Sehr niedlich auch das untere Bild- Doreen an Wühlkisten zwischen lauter winzigen Chinesinnen. Die Sachen dort kosteten wie zu sehen 90 Cent bis maximal 1,90 €!


So, und auf Bilder vom schönen Xiamen müsst ihr wohl noch ein wenig warten. ich habe keinen Bock mehr zu schreiben und will erstmal an den Strand :)


Xiamen

Finally- Xiamen! Seitdem ich in China bin, wachte ich vor ca 30 Minuten das erste Mal in einem Bett auf, das zu keinem Freudenhaus gehört. Nein, Scherz. tatsächlich wollte ich den Satz (scheinbar bedeutungsgleich) folgendermaßen beenden: "[...] das gewissenermaßen mein eigenes ist." Und das ist ein geiles Gefühl- meine eigene Bude in Ostasien, und dazu noch in einem Ort, der vermutlich zum schönsten zählt, was man in China an urbanem finden kann. Aber der Reihe nach...

Zuerst muss ich erwähnen, dass man unterscheiden muss zwischen der Insel Xiamen und der südlichsten der 4-5 Städte auf eben dieser Insel (die Anzahl der Städte grob geschätzt, in dem Augenblick, da ich dies schreibe, steht mir kein Internet zur Verfügung- und wenn ich dann welches habe, werde ich ohnehin vergessen haben, dass ich noch was nachschauen muss...), die ebenfalls Xiamen heißt. Der Flughafen, auf dem ich landete, gehörte zur gesamten Insel. Im Augenblick meiner Ankunft fühlte sich Xiamen sofort gut an. Alles dort steht voller Palmen, die Luft roch beinahe okay ("beinahe" im übrigen nur, weil ich genau neben dem Flughafen stand, wie ich später feststellte) und selbst die Einheimischen schienen mich nicht ganz so kritisch anzuglotzen, wie es in Beijing und Hangzhou der Fall war.
Nun, dieses eher euphorische Gefühl hielt an, als ich mit dem Taxi in die Stadt Xiamen (ca 40 Autominuten vom Flughafen der Insel entfernt) gebracht wurde. Die Huandao Lu (In etwa: die "Die Insel umgreifende Straße") geht mit ihrem Namen Hand in Hand und zeigt mir mit der freien Pranke vermutlich konstant den Finger für die schlechte Metapher eben: sie führt einmal um die gesamte Insel, immer schön in Strandnähe, umsäumt von Palmen.

Nachdem ich also sieben Euro für die knappe Dreiviertel Stunde Taxifahrt bezahlt habe, stund ich auf dem Campus- vor eben jenen Wohnheimen, in denen ich hausen sollte und verstand plötzlich, weshalb ich keine Fotos von ihnen gefunden habe. Naja, es war nicht sooo schlimm, aber hat schon ein bisschen die Stimmung gedrückt. Als ich dann irgendwo hinging um mein wohlverdientes Einzelzimmer einzufordern und mich anzumelden, musste ich dann auch erfahren, dass ich ins räudigste der vielen Gebäude dort gesteckt wurde, in ein Zimmer mit 2 Betten. Da ich das Meer möglichst gut sehen wollte, wählte ich den 6. Stock, was mir in dem Augenblick etwas aufstieß, da ich feststellen musste, dass es keinen Lift gab. Ich hätte ihn vermutlich ohnehin nicht benutzt, aber ist doch schön, theoretisch die Möglichkeit zu haben, nicht jedes Mal die 6 Stockwerke nach oben klettern zu müssen. Als ich mein Zimmer betrat, musste ich außerdem feststellen, dass das Zimmer zwar wie angekündigt zum Meer hinausblickte (also prinzipiell Fenster in der entsprechenden Richtung besaß), aber leider ein Berg und ein Haus den Blick auf es versperrten. Aber schwamm drüber, das Zimmer war okay und es ist meins, zumindest solange, bis die Uni mir einen Mitbewohner schickt. Von dessen Natur wird ziemlich viel abhängen. Nun, zumindest was das Geschlecht angeht, weiß ich schon bescheid - Chinesen sind da sehr prüde.

Glücklicherweise traf ich unmittelbar nach meiner Ankunft einen anderen Deutschen, den ich in Beijing schon als einen weiteren Xiamen-Gänger kennengelernt hatte. René der Name. Der war nicht nur schon ein paar Tage im Wohnheim und hatte demnach Zeit sich einzufitzen, sondern konnte auch mit einem indonesischen Zimmergenossen aufwarten, der schon ganze 2 Monate hier ist, sehr gut chinesisch spricht und äußerst hilfsbereit ist. So bin ich die letzten Tage mit einer größtenteils indonesischen Clique rumgezogen und hab mir die Stadt und den Campus zeigen lassen.
Falls ich daran denke, hier Fotos hinzuzufügen, sobald ich Internet habe, diesen Blog zu veröffenlichen, sprechen sie für ja für sich, was die Gegend angeht- alles sehr hübsch muss ich sagen. Und das nicht nur an chinesischen Städten gemessen, sondern ganz allgemein am Rest der mir bekannten Welt.

Nachtrag vom 8. September:

Noch immer habe ich keinen Zimmergenossen. Wenn nächste Woche keiner kommt, habe ich vielleicht sogar das Riesenglück, ein Zimmer für mich alleine zu haben!

Also, gehabet euch wohl, wenn auch vermutlich nicht ganz so wohl, wie es mir gerade geht :)

Hangzhou

So, habe gerade eingeschränkten Zugriff auf Internet, und da ich gleichzeitg extrem vergesslich bin, muss ich meine letzten Tage in Beijing leider eurer Fantasie überlassen... weiterhin zieht dieser Fakt nach sich, dass ich Fotos ebenfalls erst hinzufügen kann, wenn ich wieder mit meinem eigenen Rechner ans Netz kann, augenblicklich gewährt mir ein sehr netter Indonese namens Andres Zugang über seinen Rechner.

Jetzt, da ich Gelegenheit, sprich Zeit habe, etwas zu tippen und aufzuarbeiten, hocke ich schon in Xiamen, aber aus der Hauptstadt ging es zunächst mit dem Zug 13 Stunden lang nach Hangzhou, von dem es in einem Sprichwort folgendermaßen oder so ähnlich heißt. "Hangzhou und Suzhou sind sehr schön bzw. die schönsten Orte Chinas." Es ist wiederum meinem Gedächtnis geschuldet, dass diese lausige Version des Ausspruches hier erscheint, aber die Aussage sollte eigentlich klar geworden sein. Nun muss ich aber zu meinem Bedauern mitteilen, dass ich von der sprichwörtlichen Schönheit Hangzhous nicht viel mitbekommen habe: Von 3 Tagen Aufenthalt regnete es die ersten 2 durchgehend, der Ausflug am letzten Tag wurde von einer gewissen Unlust, Müdigkeit und nervigen kleinen Chinesen überschattet. Auch wenn letzteres in gewisser Weise ein Widerspruch in sich sein sollte...

Wie dem auch sei, ich habe so zumindest keinen handfesten Grund, der Aussage nicht zu widersprechen, Hangzhou sei nicht wunderschön.

In Hangzhou verabschiedete ich mich dann von meiner bisherigen Mitstreiterin Doreen und stieg in den Flieger nach Xiamen. Jener Stadt also, in der ich den Großteil des nächsten (Zeit-, nicht Kalender-) Jahres, einschließlich Geburtstag, Weihnachten, sämtlicher Schwarzer Messen jeden 13. und Sylvester verbringen werde. Auch die Kohlen werde ich mir hier wohl selber in die Schuhe stopfen müssen :(

*Spannung*

Samstag, 8. September 2007

Statement

Hallo liebe Freunde, wollte bloss kurz die Gelegenheit nutzen, ein Lebenszeichen von mir zu geben: PIEP

Habe zur Zeit nur sehr eingeschraenkten Zugriff auf das Internet... aber sorgt euch nicht. Ich habe weiter fleissig Blogs auf meinem laptop verfasst- als Textdateien. Ich hoffe darauf, kommenden Montag wieder einen Internetanschluss fuer meinen eigenen Rechner zu haben, dann gibt es Neues aus China, versprochen!

Samstag, 1. September 2007

Zweiter Tag in Beijing

So- es gibt einiges nachzutragen... Die letzten Tage waren eher stressig!
Beijing ist nach wie vor der Wahnsinn, auch wenn ich sagen muss, dass das ursprüngliche Erstarren ob der Gewaltigkeit und Fremdheit dieses Molochs Tag für Tag abgenommen hat. Ein Dach wie dieses ist nun fast Routine...

Wobei ich ja ehrlich zugeben muss, dass ich in China feststellen musste, ein ziemlicher Dachfetischist zu sein- Examplare wie das obige oder beispielsweise jenes pikante Detail, wie man es an günstigen Orten im Übrigen wirklich ÜBERALL sehen kann, stimmen mich ehrlich fröhlich, wenngleich es sich nur um Architektur handelt...

Bisher habe ich mich ausschließlich in Beijing umgesehen, und ich muss sagen, dass zum einen die Zeit nicht annähernd gereicht hat und ich zum anderen echt die Schnauze voll hab- ich hoffe von Beijing, und noch nicht von China im Allgemeinen, aber das wird sich noch herausstellen müssen.
Nur einige Stationen seien für die Interessierten dokumentiert:
Die Verbotene Stadt mit dem Kaiserpalast, zu fremdländisch 故宫 (gugong, gesprochen gugung). Für sich genommen schon eine einzigartige Erfahrung- 720 000 Quadratmeter krasse Architektur. Dazu kommen dann auch noch cirka 720 Kubikmeter Chinesen. Das zweite Bild dieses Postes ist im Übrigen der Dachziegeldurchschnitt in diesem Areal und auch dort aufgenommen. Im Norden findet man sehr hübsche verwinkelte Wohnviertel, im Süden schließen eher wenige, aber großflächige Prachtbauten an.
Wenn man dann den Komplex der Verbotenen Stadt wiederum nach Süden verlässt, dann landet man zunächst in einigen gewaltigen umbauten Plätzen und tritt dann durch das Tor des himmlischen Friedens 天安门 (tian anmen, gesprochen tiän an män) auf den zugehörigen, durch Studentenschlächterei sehr bekannten großflächigsten Platz der Welt. Das genannte Tor ist geprägt durch das überdimensionale Portrait des 毛泽东 (Mao Zedong, gesprochen Mau Dsedung), hier mal im Vergleich mit der europiden Physiognomie zu sehen:

Der Platz an sich hat den ersten wirklichen Kulturschock ausgelöst und ist schlicht zu gewaltig, um ihn angemessen auf einem Foto einzufangen. Auch wenn ich ein paar Versuche gestartet habe- ich musste sie alle als nicht erfolgreich verwerfen...
Am nächsten Tag ging es auf zum Himmeltempel, wo neben nicht nur der Himmelsaltar zu bewundern ist

sondern auch einige andere interessante Bauten, wie zum Beispiel auf dem (Dach-)Bild ganz oben oder dem folgenden zu sehen:

So Freunde, ihr merkt es am Schreibstil an, ich trank Wein- und nun bin ich so müde, dass ich den Beijing-Bericht wohl irgendwann anders fortsetzen muss. Wünscht mir eine geruhsame Nacht!

Brot

ICH WILL BROT!!!